Grenzen überschreiten. Mit dir?
Hast du gewusst, dass seit knapp zwei Jahren etwa 120 Männer in Nussbaumen unterirdisch wohnen? Nicht gerade das, wie sich die Männer – damals vielleicht gar noch Jugendlichen – ein Leben in Europa vorgestellt haben beim Aufbruch in Afghanistan, Eritrea, Syrien oder anderen kriegsversehrten oder perspektivlosen Ländern.
Doch nun sind sie da und warten auf den Bescheid der Migrationsbehörde. Eine Abweisung bedeutet eine Ausreise innert Monatsfrist, eine vorläufige Aufnahme (Ausweis F) ermöglicht ihnen den Einstieg in die Arbeitswelt, bis sie ausreisen können (sobald das Heimatland wieder als sicher, zumutbar gilt). Und ein B-Ausweis ist quasi das sichere Eintrittsticket in die Schweiz.
Nur kann es leider Wochen, Monate oder gar Jahre (!) dauern, bis diese Entscheide abschliessend gefällt sind. Und so lange sind diese Männer grundsätzlich in den unterirdischen Geschossen der Zivilschutzanlage Nussbaumen untergebracht.
Was können sie tun in dieser Zeit?
- Arbeiten? Dürfen sie nicht bzw. nur nach kaum überwindbaren Hürden.
- Eine Ausbildung machen? Geht nicht bzw. erst nach der Anerkennung eines Flüchtlingsstatus.
- Freiwilligenarbeit machen? Theoretisch, aber sie darf nicht entlöhnt werden und arbeitsähnlich sein (z.B. Gartenarbeiten, regelmässige Tätigkeit)
- Deutsch lernen? Ja, das wird vom Kanton finanziert und ermöglicht.
- Sport machen? Ja, scho, aber wie bezahlen? Und wie Anschluss an die lokalen Vereine und Clubs finden?
- Lesen, sich selbständig weiterbilden, kulturelle Anlässe besuchen? Ja, scho again, aber auch da: Wie bezahlen? Der Kanton bietet da im Vergleich zu anderen Kantonen wenig an.
Da würde auch dir bald einmal das Dach (in diesem Falle: der Boden 😳) auf den Kopf fallen.
Gut, gibt es Menschen wie z.B. Kateri Lässer von Asyl Lokal, welche viel Zeit, Ideen und ja, auch Nerven in Projekte stecken, die die Geflüchteten und die lokale Bevölkerung näher zusammen bringen sollen. Und den Geflüchteten somit Möglichkeiten bieten, als Menschen betrachtet, geschätzt und integriert zu werden.




Auch wenn diese lokalen Projekte keinen Einfluss auf den finalen Entscheid des Migrationsamt der Geflüchteten haben wird: So verkürzen und entspannen wir die oft schon allzu schwierige Situation dieser Menschen.
(Ja, im Fall scho, du kannst denken: Wieso sind sie hierher gekommen, sie sollen doch erst gar nicht kommen. Aber davon solltest du dich glaub lösen. Sie sind hier. Sie leben noch, aber viele ihrer Freunde nicht mehr. Sie sind traumatisiert. Und viele würden die Reise nicht nochmal machen wollen. Sie sind als Individuen nicht verantwortlich für die Herausforderungen, welche die Migration mit sich bringt – und die gibt es unbestritten.)
Bei Asyl Lokal bringen sich neben Kateri aktuell ca. 15 Personen ein – von der Gemeinderätin Tanja Marullo über Einwohnerrät:innen hin zu engagierten Einwohner:innen Obersiggenthals. Und sie organisieren nun Veranstaltungen, Treffpunkte und Integrationsmöglichkeiten, an welchen auch du teilnehmen kannst.
- Letzte Woche gab es schampar leckere kurdische Gerichte – zubereitet von Tamer und weiteren Geflüchteten, genossen von knapp 50 Personen in und aus der Region. Diese Koch-Events sollen regelmässig stattfinden – nach Möglichkeit auch an öffentlichen Veranstaltungen wie dem Fest der Nationen, Quartierfesten etc.
- Bald soll es Spaziergänge durch die Gemeinde geben, um in lockerem Rahmen Deutsch lernen und Freundschaften knüpfen zu können.
- Es wird ein Austausch in der Schule geplant, bei welchem Geflüchtete interessierten Schülern ihre Kultur, ihre Welt und je nach dem auch Erfahrungen näher bringen können.
- Weitere, bestehende und kostenlose Angebote, wie z.B. runBADEN sollen zugänglich gemacht werden.
In Kürze findest du die aktuellen Angebote auf der Webseite von asyllokal.ch (in Entstehung).

Bist du auch mal bei einem Anlass dabei und verschiebst oder überwindest deine Grenze in Richtung Geflüchtete?
So guet, du wirst es nicht bereuen. Höchstens deinen Horizont erweitern und mal wieder merken: Wir sind alles nur Menschen. Aber das sind wir, alle.
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